Irgendwo zwischen Drama und Tragödie

Mit einer Demo  in Hannover kämpfen die kommunalen Theater für eine Verbesserung ihrer Situation

 

VON HANS-MARTIN KOCH
Lüneburg. Der Zeitpunkt passt. Am kommenden Wochenende beraten SPD und CDU den Landeshaushalt für das Jahr 2019. Aus dem Etat gestrichen wurden sechs Millionen Euro, mit denen eigentlich die kommunalen Theater gestärkt werden sollten. Das machte die Theater sauer. Gestern protestierten die Bühnen und die mit ihnen betroffenen Göttinger Symphoniker in Hannover. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, zieht Lüneburgs Intendant Hajo Fouquet Bilanz. Wie Matthias Herrmann als Vorsitzender des Theater-Betriebsrats ergriff er bei der Demonstration das Wort.

Die Lüneburger Theatermacher und -freunde waren mit fünf Bussen nach Hannover gefahren. Sie bildeten die deutlich größte Gruppe. Aus ernstem Grund: Wie dramatisch sich nämlich die Situation des Theaters Lüneburg zuspitzt, zeigt ein Blick auf die mittelfristige Finanzplanung. Sie weist für das laufende Jahr ein Minus von 276 000 Euro auf, Tendenz steigend. Ändert sich nichts, klafft in fünf Jahren eine Lücke von 2,5 Millionen Euro im Etat. Schon vorher versiegt die Liquidität des Theaters, obwohl es in allen Kennzahlen wie der Platzauslastung zu den bundesweit führenden Bühnen zählt.  Auslöser für das drohende Debakel ist das Loch, das gerissen wude, als das Land über mehrere Jahre Tarifsteigerungen nicht mittrug.

Das Deutsche Theater Göttingen hatte die Petition #rettedeintheater gestartet. Sie wurde online von 19 300 Menschen unterzeichnet. Einige Abgeordnete des Landtags meldeten sich auf openpetition.de zu Wort, darunter der aus Lüneburg kommende Niedersächsische Wirtschaftsminister und CDU-Landesvorsitzende Dr. Bernd Althusmann. Er äußert sich zur Petition zurückhaltend: „Die Anregungen nehmen wir auf und werden diese mit in die Haushaltsberatungen nehmen.“

 

Ministerium setzt auf mittel- bis langfristige Steigerung

 

Deutliche Unterstützung bekamen die Theater gestern von allen im Landtag vertretenen Partien mit Ausnahme der AfD, die zum Thema der Theater schweigt. Burkhard Jasper (CDU) sicherte zu, sich auch noch bei den anstehenden Haushaltsberatungen für die kommunalen Theater zu engagieren.

Laut Minister Björn Thümler (CDU), der bei der Kundgebung sprach, will das Land die „finanziellen Spielräume“ für Theater und Kultur vergrößern. Er setze dabei auf eine mittel- und langfristige Steigerung.  Der Minister habe viel „weiße Salbe“ verstrichen, also nichts gesagt, was die Situation bessert, sagt Lüneburgs mit nach Hannover gefahrener Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD). Mehrere Kommunalpolitiker begleiteten die Lüneburger Gruppe. Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) war vor Ort, ebenso die KulturausschussVorsitzenden aus Stadt und Kreis, Birte Schellmann und Berni Wiemann (beide FDP).

An der Protestaktion nahm ebenfalls der Landtagsabgeordnete Detlev Schulz-Hendel (Grüne) aus Amelinghausen teil. Kulturminister Thümler bringe kommunale und freie Theater in eine existenzbedrohende Situation, sagt Schulz-Hendel. Es bleibe ein großes Ärgernis, dass auch das Theater Lüneburg weiterhin auf notwendige Planungssicherheit warten müsse.

Entscheidend sind jetzt die Haushaltsberatungen der Regierungskoalition. Die Intendanten und Geschäftsführer der kommunalen Theater und der Göttinger Symphoniker werben noch mit einem Brief bei den Landtagsabgeordneten für ein Herumreißen des Steuers.
Rutscht aber, wie mittlerweile erwartet wird, kein Plus für die Theater in den Plan, bleibt als kurzfristige Hlfe nur die „Politische Liste“. Dahinter verbergen sich 50 Millionen Euro, mit denen die Regierungsfraktionen SPD und CDU agieren können.

 

Jetzt soll die Politische Liste helfen

 

Die Lüneburger Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers (SPD) gehört zu den Politikern, die gestern die Petition entgegennahmen. Schröder-Ehlers will sich dafür einsetzen, „dass wir mindestens die Hälfte der Summe über die Liste einsetzen“. Das Geld  sollte dann in den nächsten Haushalt eingestellt, auf sechs Millionen aufgestockt und verstetigt werden.  Ob gegebenenfalls die Notbeatmung durch die Politische Liste zum Einsatz kommt, wird im November entschieden. „Vorher wird es sicher keine verbindlichen Aussagen geben“, sagt Intendant Hajo Fouquet.

Pressemitteilung der Landeszeitung Lüneburg