Kommunaler Schlachthof

Es ist nicht zu bestreiten, dass sich im Umgang mit den Schlachttieren mitunter schreckliche Szenen und wegen der menschenunwürdigen Situation der Beschäftigten beklagenswerte Verhaltensweisen abspielen, die es unbedingt zu verhindern gilt. Das kann und darf niemand wollen. Aber zu glauben, dass solche oder ähnliche Probleme durch regionale kommunale Schlachtbetriebe zuverlässig verhindert werden können, ist natürlich ein Irrtum. Dazu gehören u.a. Kompetenz, Erfahrung, Aufsicht und effiziente Kontrollen.

 

Die Grünen haben in ihrem Antrag das „Preußische Gesetz zur Errichtung öffentlicher Schlachthäuser“ erwähnt, das ab 1981 den Schlachthofzwang mit scharfen Kontrollen etablierte, weil bis zu dem Zeitpunkt in der Öffentlichkeit unter Vernachlässigung hygienischer, sanitärer und öffentlicher Bedürfnisse geschlachtet wurde , übrigens zu nicht geringer Zahl von Selbstversorgern.

Etwa hundert Jahre späterer fand ein neuer Paradigmenwechsel statt. Es waren nämlich die bundespolitischen und europäischen behördlichen Auflagen, die mit neuen Hygienevorschriften die Genossenschaften oder Kommunen zu riesigen Investitionen in ihren Schlachthöfen zwangen. Diese sahen sich nicht mehr in der Lage diese Millionenbeträge aufzubringen und sahen sich zum Verkauf gezwungen. So geschah es auch 1971 in Lüneburg. Angesichts der Neuen Märkte, der Globalisierung und weiteren behördlichen Auflagen wurden weitere riesige Investitionen in industriell ausgerichtete Schlachthofbetriebe erforderlich und seitdem haben wir quasi privatisierte Hochsicherheitsbetriebe abseits von Städten. Die handwerklich organisierten Betriebe konnten den detailliert industriell orientierten Hygienevorschriften nicht mehr genügen und wurden als „lediglich registrierter Betrieb ohne EG-Zulassung“ deklariert, was die meisten von ihnen benachteiligte und ihnen infolgedessen zunehmend ein Ende bereitete. Da ist viel verlorengegangen. Heute haben wir in der Region noch Bad Bevensen. Erst durch die Vorschriften 2007 wurden die unzumutbaren gesetzlichen Regeln angepasst, so dass sie wieder mehr betriebliche Gestaltungsmöglichkeiten erhielten und es seit 2010 es wieder möglich ist, dass kleine regional tätige Betriebe selber schlachten, was sicherlich dem Wunsch vieler Verbraucher entspricht.

Dennoch dürfen Sie nicht drum herumreden, dass alle Maßnahmen mit denen Sie die o.g. Auswüchse zuverlässig verhindern können, die Fleischpreise nicht nur ein bisschen, sondern beträchtlich verteuern. Um es gleich vorwegzunehmen, jede Maßnahme, die das Tierwohl verbessert, aber dafür das Fleisch verteuert, ist für die FDP durchaus diskutabel, genauso wie die Kontrolle über die in diesem Bereich Beschäftigten. Ich habe mich mit Fachleuten besprochen, die diese Initiative für zu spät halten. Danach kostet das Schlachten und Zerlegen z. B. eines Schweins in einer kleinen regionalen Schlachterei , so wie Sie sich das von den Grünen vorstellen, in einer Größenordnung 150 EUR. In den heutigen Großschlachtereien nur ein Zehntel. Sie haben richtig gehört, ca.15 EUR. Wenn sich dann nur noch wenige Fleisch leisten können, kommen wieder die Linken, beschweren sich dass es so ist und fordern Zuschüsse für die, die es sich nicht leisten können.

 

 

Die Frage ist deshalb nicht, was kostet der Bau eines Schlachthofes und können wir irgendwelche Zuschüsse bekommen, sondern sie muss lauten: Zu welchen Kosten könnte ein städtischer Betrieb Schlachten und Zerlegen z. B. eines Schweins hinterher anbieten. Nach Aussagen der Fachleute ist das Teure nicht das Schlachten, sondern das Zerlegen. Deshalb könnte nach deren Auskunft höchstens in Betracht kommen, dass man das Schlachten lokal organisiert, indem sich mehrere Landkreise dafür zusammentun, um dann das Zerlegen, woanders zu zentralisieren. Das hätte den Vorteil durch kurze Transportwege, den Stress für die Tiere zu vermeiden, aber die Zerlegung in den Hochsicherheitstrakten, jedoch unter effektiverer Aufsicht als bisher stattfinden zu lassen.

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