Verbesserung des Schienenpersonenverkehrs

Wiederholt diskutiert der Rat der Hansestadt Lüneburg auf Initiative der Jamaika-Gruppe über eine Verbesserung des Schienenpersonenverkehrs.
Dazu Frank Soldan:

Beziehungsstatus Lüneburg - Zugverkehr: Es ist kompliziert.

Auch wenn einige den Verursacher all unserer Probleme mit dem Schienenverkehr auszumachen geglaubt haben, vor dem Güterverkehr fürchte ich mich nicht. Im Gegenteil.

Ich halte mehr Güterverkehr auf der Schiene für notwendig zur Entlastung der Straßen.
Aber wieviele Güterzüge halten in Lüneburg und müssen deshalb durch unsere Stadt an der Wohnbebauung im Bahnhofsumfeld fahren.

 

Vielen Dank an Sie, Herr Verkehrsdezernent Moßmann, für die Erarbeitung der umfangreichen Stellungnahme, die sehr detailliert die Probleme des Schienenverkehrs in Lüneburg aufzeigt. Es fehlt mir leider die Zahl der Verspätungen der hier haltenden Züge. Denn die sind einer der Gründe für diesen Antrag.

 

Ein für uns ganz wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Punkt überhaupt, steht auf Seite 2 ihrer Stellungnahme: "LEBENSQUALITÄT"

 

Die wollen wir fördern. Durch weniger Emmissionen (seien es Stickoxide, Feinstäube, CO2, Lärm oder Erschütterungen), bessere Verkehrsanbindungen, gute Schul- und Kulturangebote und vieles mehr. Letztendlich dreht sich unsere gesamte Kommunalpolitik darum.

 

Hier geht es heute - wieder einmal - um den Schienenverkehr. Wir müssen vieles gegeneinander abwägen: Lärm, Staub, Erschütterungen, Verkehrsanbindungen, Luftqualität. Dabei gibt es die "eierlegende Wollmilchsau" nicht.

 

Wir sehen auch hier in Lüneburg die Schwierigkeiten, die durch einen zentral gelegenen Bahnhof entstehen: Gute Verkehrsanbindung und erhebliche Emmissionen in der Innenstadt. Stuttgart ist ein Paradebeispiel dafür. Dort hat die Bahn eine "Lösung" gefunden. Ob das auch eine Lösung für Lüneburg wäre? Na ja, zumindest müsste dann die Bahn den Lüneburger Untergrund untersuchen. Andere Städte erleben das genauso. Eine Patentlösung findet keiner.

 

Wir wissen, dass wir mehr Verkehr auf die Schiene bringen müssen. Geplant sind auf der Strecke Hamburg - Hannover zusammen in beiden Richtungen ca. 390 Güterzüge täglich. Dazu kommen je 135 Nah- und 135 Fernverkehrszüge. Eine Ausweitung der Zugzahlen ist durch Verdichtung selbst beim Bau eines zusätzlichen Gleises nur bis zu einem gewissen Grad möglich, bei gleichzeitig mehr Lärm, Staub und Erschütterungen und einer höheren Anfälligkeit bei technischen Pannen. Und diese Verdichtung potenziert geradezu die Häufigkeit von Verspätungen.
In einem Bericht des SWR aus den 60er Jahren entschuldigten sich Bahnmitarbeiter für einen Zug, der mit 2 Minuten Verspätung in den Bahnhof einfuhr. Heute ist es eine Durchsage wert, wenn der Zug pünktlich den Bahnhof erreicht.

 

Da wir bessere Anbindungen des Schienenpersonenverkehrs sowohl Richtung Norden als auch Süden wollen, geht das nur durch eine Reduktion des Güterzugverkehrs auf diesen Strecken.
Da der aber insgesamt mehr wird, sehen wir die Notwendigkeit einer Neubaustrecke abseits von Lüneburg.

 

Nach Berichten des NDR plant die Bundesregierung laut ihrem Bahn-Beauftragten Enak Ferlemann eine Neubaustrecke entlang der A2. Hofentlich geht das auch entlang der A7. Unser Wunsch ist es.

 

Unsere Prioritäten für Lüneburg lauten: Lärmminderung, weniger Güterzüge, besserer Schienenpersonenverkehr.

 

Wenn wir noch den Ausbau der Strecke Fehmarn - Lübeck - Lüneburg (auf der garantiert hauptsächlich Güterzüge fahren werden) dazunehmen, müssen wir uns wie gesagt für eine Güterzugstrecke abseits von Lüneburg einsetzen. Oder wollen Sie all diese Güterzüge quer durch unsere Stadt fahren lassen?
Solch eine Güterzugstrecke gibt es von Rotterdam ins Rheingebiet. Ein Beispiel, wie Städte von Lärm, Staub und Erschütterungen entlastet werden können, wenn man will.

 

Wir wollen mehr Personenverkehr auf die Schiene. Wir sehen aber genau wie die Verwaltung die Schwierigkeiten bei der Anbindung weiterer Gleise an den zentral gelegenen Lüneburger Bahnhof.

 

Das "optimierte Alpha E + Bremen" ist für uns keine zukunftssichere Lösung. Das scheint auch die DB Netz AG so zu sehen, denn auch sie sieht den Ausbau der Ortsdurchfahrten als voraussichtlich nicht machbar an. Und wenn diese "nicht machbar" sind, wie soll dann eine Kapazitätssteigerung selbst mit einem zusätzlichen Gleis außerhalb der Ortsdurchfahrten vonstatten gehen?
Durch ein Nadelöhr passt nun mal kein Ochsenkarren und das sind zur Lärm- und Erschütterungsverringerung langsam fahrende Güterzüge nun einmal.

 

Fazit für Frau Schellmann und mich:
Wer am optimierten Alpha E + Bremen unverändert festhält, begeht geradezu Verrat an einem Großteil der Lüneburger Bürger.
Wir stehen unverändert zur Entscheidung des VA vom 3.11.15.