Rede zur Förderschule

Auch konnten wir nach langer und sehr kontroverser Debatte einen Erfolg erzielen: Die  Stadt wird bei der Landesschulbehörde beantragen, die Förderschule Johannes-Rabeler für die von der Landesregierung vorgesehenen Übergangszeit weiterzuführen. SPD und Linke lehnen den vorläufigen Erhalt dieser Fördermöglichkeit für Kinder mit anerkannter Lernschwäche ab. "Förderschule soll bleiben - Kinder müssen individuell gefördert werden. Parteiideologie darf nicht über Förderangebote entscheiden"

Rede von Frank Soldan auf der Stadtratssitzung vom 20.12.:

Schade, dass die Entscheidung, eine Fördereinrichtung für lernschwache Kinder und Jugendliche zu erhalten bzw. vorläufig weiterzuführen, damit verknüpft wird, ob man für oder gegen Inklusion sei. weiterzuführen
• Wir stellen Inklusion, auch die schulische Inklusion, nicht in Frage. Teilhabe ist für uns eine Grundvoraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben.
• Kinder und Jugendliche sind unterschiedlich. In ihrer persönlichen Entwicklung, in ihren Begabungen. Sie müssen individuell gefördert und gefordert werden. Dazu bedarf es unterschiedlicher Angebote - auch in unterschiedlichen Schulen. Dagegen hilft auch Parteiideologie nicht.
• Einem Kind oder Jugendlichen, bei dem ein Förderbedarf festgestellt wurde, stehen 3 Förderstunden pro Woche in einer Klasse mit bis zu 29 Kindern zu. Nicht mehr. Mehr erfordert mehr Fachkräfte - die erst ausgebildet werden müssen - und damit mehr Landesmittel.
• Wer viele (bis zu 7 wurde von einem Schulleiter gesagt) Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf eines Jahrgangs in eine Klasse einer mehrzügigen Schule setzt um möglichst ständig eine zweite Fachunterrichtskraft in dieser Klasse zu haben, schafft eine halbe Förderschulklasse. Und wenn dann behauptet wird, inklusive Beschulung funktioniere toll, dann grenzt das für mich schon fast an Selbstbetrug.
• U.a. sind Hauptargumente der Gegner der Förderschulen - so auch hier - zu wenig Fachkräfte um parallele Strukturen aufrecht zu erhalten (dabei sind Förderschule und inklusive Beschulung keine parallen Systeme sondern sehr unterschiedliche Förderangebote) und zu wenig Geld .
• Auch das zeigt für mich, dass es zumindest mit der Personalausstattung für eine optimale Förderung von Kindern und Jugendlichen in einer inklusiven Schule zur Zeit noch hapert. Die müssen erst ausgebildet werden und das dauert ein paar Jahre.
• Eltern in unserer Hansestadt Lüneburg und aus dem Landkreis, die die Förderung ihres Kindes in einer Regelschule als suboptimal ansehen und deshalb für ihr Kind den Besuch einer Förderschule für besser halten, müssen ihrem Kind lange Fahrzeiten nach Bleckede oder sogar aus dem Landkreis hinaus zumuten. Das Kostenargument für den Landkreis führe ich hier bewußt nicht an.
• Der Stadtelternrat spricht sich eindeutig für den Erhalt der Förderschule aus. Damit zeigt sich deutlich, dass der Elternwunsch zum Erhalt der Johannes-Rabeler-Schule vorhanden ist. In seinem Schreiben vom 5.12.2018 macht er Schwächen bzw. Fehler der von der Verwaltung durchgeführten Elternbefragung deutlich: Er schreibt: "Es   wurden   unter   anderem   nicht   befragt: • Eltern aus dem umliegenden Landkreis, aus dem eine Nachfrage nachweislich bekannt ist, • Eltern von Schülern, die  zusätzlich zum Förderbedarf L noch einen weiteren Förderbedarf haben, obwohl der Förderbedarf L prioritär ist, • Eltern von Schülern mit Förderbedarf L in den unteren  Klassen der weiterführenden Schulen, die potentiell an die Förderschule zurückkehren würden." Das ergäbe ein viel aussagekräftigeres Bild.
Zwar mag es formal richtig sein, dass diese Eltern nicht befragungswürdig sind, aber die Anzahl der Schülerinnen und Schülern pro Klasse würde sich deutlich erhöhen und der Bestand der JohannesRabeler-Schule wäre möglich. Bisher gab es zwei Förderschulen auf dem Stadtgebiet Lüneburg. Allein durch politische Entscheidungen wurden diese geschlossen. Es waren nicht die Eltern, die diese Fördermöglichkeit für ihre Kinder nicht mehr wollten.
Auch die rot-schwarze Landesregierung in Hannover hat erkannt, dass die Förderung an inklusiv arbeitenden Regelschulen noch nicht optimal für alle Kinder und Jugendlichen läuft. Sie hat deshalb eine Übergangsfrist zur Fortführung der Förderschulen eingerichtet. Ausdrücklich wurden auch Regelungen getroffen für den Fall, dass eine volle Klassenstärke nicht erreicht wird. Meine Damen und Herren von der SPD-Fraktion, Ihre berechtigten Forderungen brauchen Zeit zur Umsetzung. Genau deshalb hat die SPD/CDU Landesregierung die übergangsweise Weiterführung der Förderschule L eingeführt. Indirekt geben Sie mit Ihren Forderungen ja zu, dass inklusive Beschulung noch nicht gut funktioniert. Schülerinnen und Schüler haben keine Zeit, auf Besserungen zu warten. Sie brauchen Förderung - gute, individuelle Förderung - jetzt, nicht in ein paar Jahren.
Meine Damen und Herren. Es geht uns nicht um Exklusion, sondern um optimale Förderung von Kindern mit festgestelltem Förderbedarf. Wir wollen, dass Eltern Wahlmöglichkeiten haben. Sie kennen ihr Kind am Besten und wissen, wo und wie ihr Kind am Besten gefördert werden kann und soll. Mit 3 Stunden Förderunterricht pro Woche an einer Regelschule oder an einer sonderpädagogischen Einrichtung. Deshalb und nur deshalb setzen wir uns für den Erhalt der Förderschule Johannes-Rabeler ein. Daher möchten wir, dass wir als Schulträger bei der Landesschulbehörde die Fortführung dieser Schule beantragen. Danach sehen wir weiter.
Ich appelliere noch einmal an Sie alle: Akzeptieren Sie, dass schulische Inklusion, so wie sie heute praktiziert wird, nicht die Beste  Förderung für alle Kinder bieten kann. Wenigstens für eine Übergangszeit brauchen wir eine Alternative zu den nur drei Wochenstunden Förderunterricht, die jeder Schülerin und jedem Schüler zur Zeit nur zusteht. Stimmen Sie daher mit für den Erhalt der noch vorhandenen vielfältigen Förderangebote in unserer Stadt. Stimmen Sie für den Erhalt der Förderschule.

 

Frank Soldan