Protest am Rande von Gleis 1

Vertreter aus der Region Lüneburg machen mobil gegen die Pläne zum Ausbau des Schienennetzes im Norden

Von Dennis Thomas
Lüneburg. Mit einer spektakulären Unterwassersitzung hatte die Regierung der Malediven 2009 auf Gefahren des Klimawandels hingewiesen. Die Aktion zum Vorbild nahmen sich gestern Vertreter von Stadt und Landkreis Lüneburg sowie weitere Kommunen und Bürgerinitiativen (BI), um vor den Gefahren des geplanten Schienenausbaus in

der Region zu warnen. Tische und Stühle aus dem Rathaus Amelinghausen wurden am Bahnsteig 1 des Bahnhofs Lüneburg aufgebaut.

Bei dem bislang beispiellosen Schulterschluss von Amelinghausen und Bardowick über Gellersen und Lüneburg bis zu den Samtgemeinden Ostheide und Ilmenau legten die Vertreter eine gepfefferte Erklärung zum Dialogforum Schiene Nord vor. Darin erklären die Kommunen, dass sie den regionalen Projektbeirat Alpha-E, „nicht oder nicht mehr als Vertreter ihrer Interessen“ sehen. Der Projektbeirat setzt sich aus Vertretern von Kommunen und Initiativen auch aus den Kreisen Harburg, Lüneburg und Uelzen zusammen. Er begleitet die Planungen von Bahn und Bund zum Schienenausbau.

Mit der Erklärung distanzieren sich auch die Samtgemeinden Amelinghausen und Gellersen vom Dialogforum Schiene Nord, dessen Abschlussdokument seinerzeit die Bürgermeister Helmut Völker (Amelinghausen) und Josef Röttgers (Gellersen) unterschrieben und damit auch den Bestandsstreckenausbau unter anderem durch Lüneburg und Deutsch Evern anerkannt hatten.

Lüneburg und Deutsch Evern wiederum befeuerten in der Vergangenheit die Forderung nach Ortsumfahrungen, wie sie letztlich in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wurden. Kommunen westlich Lüneburgs fürchten deshalb von neuen Güterverkehrtrassen zerschnitten zu werden. Amelinghausens Verwaltungschefin Claudia Kalisch sagt: „Das, was als Ortsumfahrungen bisher diskutiert wurde, scheint nichts anderes zu sein als eine Neubaustrecke wie Ashausen-Unterlüß, die vom Dialogforum Schiene Nord doch abgelehnt wurde.“ Damit habe der Beschluss des Dialogforums ohnehin keinen Wert mehr.

Die Gegner von einst haben nun in der Ablehnung des Dialogforums wieder zusammengefunden. In der gemeinsamen Erklärung heißt es: „Wir halten das Dialogforum nicht für demokratisch legitimiert.“ Aufgegriffen wird damit eine zentrale Kritik der Gemeinde Deutsch Evern, die seinerzeit nicht zum Dialogforum eingeladen worden war. Weiter heißt es in der gemeinsamen Erklärung: „Das Abschlussdokument wird als neue Bibel des Schienenausbaus verkauft.“

Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer trug die Kritik beim Statustreffen des Dialogforums gestern in Celle persönlich vor, er sprach „vom Märchen eines demokratischen Konsens“. Peter Dörsam, Sprecher des Projektbeirats Alpha-E hielt dem entgegen, dass der Bundestag darüber demokratisch entschieden hat.

Laut Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt sei die Entscheidung auf der Grundlage falscher Annahmen getroffen worden. Er sagte am Lüneburger Bahnhof: „Zum künftigen Verkehrsaufkommen benötigen wir fundierte Zahlen – und nicht Wunschzahlen.“ Ilmenaus Samtgemeindebürgermeister Peter Rowohlt kritisierte, dass der zunehmende Güterverkehr unter anderem aus Skandinavien gar nicht berücksichtigt sei. Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge fürchtet, dass die Stadt massiv unter Erschütterungen und Lärm des zunehmenden Güterverkehrs leiden wird. Nun versammeln sich die Vertreter der Region hinter der Forderung, eine neue Güterverkehrstrasse entlang der Autobahn 7, damit weit entfernt von  Lüneburg, zu realisieren.

Pressemitteilung der Landeszeitung Lüneburg