Höhere Friedhofsgebüren sind viel zu kurzfristig gedacht

Ohne Strukturveränderungen verstärkt sich nur der Teufelskreis der ansteigenden Friedhofsgebühren.

In seiner letzten Sitzung beschloss der Rat gegen die Stimmen der FDP die Anhebung der Friedhofsgebühren um 10 %.

Dazu sagt FDP-Ratsherr Frank Soldan:

 

"Vielen Dank für die Arbeit, die die Arbeitsgruppe und auch die Verwaltung geleistet haben.

 

Seit Jahren - wenn nicht sogar seit Jahrzehnten - bereitet die finanzielle Situation der Friedhöfe in unserer Stadt uns Sorgen. Kostendeckung hier herbeizuführen durch die Gebühren ist geradezu unmöglich bzw. es bedeutet eine geradezu extreme finanzielle und emotionale Belastung für die Einwohner unserer Stadt.

 

Ich habe mich nur mit den BABs der letzten 10 Jahren beschäftigt und da ist mir einiges aufgefallen, das uns zu einer Änderung unseres Vorgehens zwingen muss.

 

Die Personalkosten sind in diesem Zeitraum gerade einmal um 10 % gestiegen. Es gab einige Änderungen, die Veränderungen in der Begräbniskultur aufgegriffen haben. Und hier sind sicherlich auch weitere Veränderungen notwendig.

 

In 2011 wurden die Friedhofsgebühren um 10 % erhöht, das bescherte uns genau ein Jahr lang ein positives Ergebnis. In 2013 wurden die Gebühren noch einmal um 7,5 % angehoben, das hielt 2 Jahre. In 2015 wurden die Entgelte um 10 % erhöht sowie der rechnerische Anteil an öffentlichem Grün um 5 % erhöht. Dieser Effekt hielt noch nicht einmal ein Jahr. In 2016 betrug das Defizit 112,4 T€. Als das sich im Laufe des Jahres abzeichnete, hätte eine Diskussion hier geführt werden müssen und nicht auf Ende 2017 - also bis nach der Kommunal- und Bundestagswahl - verzögert werden dürfen. Aber: "Honi soi qui mal y pense. Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt."

 

Selbst wenn die 10%ige Gebühren- und Entgelterhöhung seit dem 1.1.18 gelten würde, wäre das Jahresergebnis nur +13.000 €. Allein eine Personalkostensteigerung um nur 1,3 % ergibt bereits wieder ein negatives Jahresergebnis. Nur ein paar weniger Bestattungen werden den gleichen Effekt haben.

 

Der Verlustvortrag in Höhe von nahezu 1 Mio € lässt sich so nicht ausgleichen. Strukturveränderungen - einschneidende Veränderungen  - sind nicht mehr aufzuschieben. Im Gegenteil, sie hätten längst beschlossen werden müssen.

 

Eine ständige Verteuerungen der Friedhofsgebühren in unserer Stadt wird zu einer Verlagerung von Beerdigungen in die umliegenden Gemeinden führen, was zu weniger Einnahmen, damit zu einem höheren Defizit und - wenn es so weitergeht wie bisher - zu höheren Gebühren führt. Dagegen hilft auch keine "Attraktivitätssteigerung" der Friedhöfe. Diesen Circulus vitiosus, diesen Teufelskreis, werden wir so nicht durchbrechen.

 

Immer weniger Angehörige von Verstorbenen wohnen in Lüneburg. Ihr Lebensweg führt sie in andere Städte oder sie bauen sich ein Haus in den umliegenden Gemeinden. Sie sind flexibel und genauso flexibel werden sie den Bestattungsort wählen. Und dafür spielt neben der Erreichbarkeit auch der Preis eine Rolle.

 

Jede strukturelle Veränderung wird nicht kurzfristig umsetzbar sein. Aber wir müssen jetzt den Anfang wagen.

 

Eine Flächenreduzierung der Friedhöfe ist ein erster Schritt. Er senkt die Unterhaltskosten aber er senkt auch den Anteil an öffentlichem Grün, das auf Kosten unseres Haushalts gepflegt wird und nicht in die Gebührenrechnung eingeht. Der tatsächliche finanzielle Effekt dieser Flächenreduzierung ist mir noch nicht bekannt.

 

Ich könnte Ihnen jetzt noch einiges über innerstädtische Biotope, Artenvielfalt, innerstädtische Ruhezonen, Grüngürtel und vieles mehr erzählen. Doch ich will mich kurz fassen.

 

 

 

Mein Fazit:

 

  • Eine Gebührenanhebung hat nur einen extrem kurzen positiven Effekt -das zeigt die Vergangenheit überdeutlich. Sie stürzt uns nur tiefer in den Teufelskreis.
  • Auch eine "Attraktivitätssteigerung" hat kaum einen positiven finanziellen Effekt.
  • Der finanzielle Effekt von Flächenreduzierungen durch Verkäufe ist für mich fraglich.
  • Wir brauchen Strukturveränderungen ohne Tabus.
  • Dazu gehört kurzfristig die Umwandlung in öffentliches Grün - also Parks - die ohne in den  Gebührenhaushalt einzugehen, gepflegt werden."

 

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