Affäre Dr. Scharf

Rat der Hansestadt diskutiert den Abwahlantrag der Linken

Im Vorfeld wurde wohl noch nie ein Antrag zu emotional aufgeladen diskutiert. Entsprechend groß war das Interesse der Öffentlichkeit an dieser Ratsitzung. Zahlreiche Zuschauer und auch Medienvertreter nahmen teil. Bereits um 16:40, 20 Minuten vor
Beginn der Sitzung war der Saal überfüllt. Trotz aller Emotionalität verlief die Sitzung friedlich und sachlich.

Letztlich wurde der Antrag mit 17 Ja- und 20 Nei-Stimmen abgelehnt und Dr. Scharf bleibt als Bürgermeister im Amt.

 

Hier die Rede von Birte Schellmann (FDP):

 

 

Birte Schellmann zur Causa Scharf

 

 

Die Angelegenheit ist inzwischen leider sehr verfahren. Beschädigt gehen wir alle hieraus hervor.

 

Dr. Scharf ist beschädigt, weil er sich durch sehr unsortierte Wortwahl gegenüber einem wildfremden Menschen auf der Straße nun in eine politische Ecke gestellt sieht, von der wir, die ihn seit Jahren kennen, wissen, dass sie seiner politischen Einstellung eigentlich nicht entspricht.

 

Die CDU geht als Partei aus dem Vorgang beschädigt heraus, weil beim ein oder anderen schlicht denkenden Wähler der Eindruck entstanden sein könnte, dass rückwärtsgerichtetes Gedankengut in dieser Partei selbst unter den führenden Köpfen noch einen festen Platz hat.

 

Die CDU-Fraktion im Rat ist beschädigt, weil sie letzten Endes durch diese Affäre in schwere Turbulenzen geraten ist und Ihren Fraktionsvorsitzenden mit allen unerfreulichen Begleiterscheinungen verloren hat.

 

Und schließlich ist der ganze Rat beschädigt, weil er Dr. Scharf mehrheitlich zum Bürgermeister gewählt hatte, so dass der Eindruck entstehen könnte, dass ewig gestrige Gedankengänge im ganzen Rat mehrheitlich verbreitet sind und deshalb keine Konsequenzen gezogen werden.

 

Ohne jede Frage darf ein so sensibles Thema, wie die tatsächlichen Hintergründe des von Deutschland verursachten grauenvollen Geschehens in Osarichi nur sehr verantwortungsbewusst und abgewogen diskutiert werden und zwar auf eine Weise, die sowohl den Opfern wie dem honorigen Teil der deutschen Soldaten, den es zweifellos auch gegeben hat, gerecht wird. Das ist, weiß Gott, kein Thema, das mit Biertischrhetorik abgehandelt werden kann und darf.

 

Sie, lieber Herr Scharf, haben hier leider in keiner Weise den richtigen Ton gefunden und da Sie sich in dem Interview sogar mehrfach ausdrücklich als Bürgermeister Dr. Scharf dieser Stadt zu erkennen gegeben haben, haben ihre unüberlegten Bemerkungen zu allem Unglück auch noch den Anstrich förmlicher Verlautbarungen der Stadt bekommen. Das war keinesfalls akzeptabel!

 

Wir leben nicht mehr in der Zeit von Konrad Adenauer, der noch ungestraft sagen konnte: „Was schert mich mein Geschwätz von gestern“. Einfach so ins Unreine kann heute keiner mehr von uns reden. Das Internet vergißt nichts und die Facebooks, Twitters usw. gehen leider gnadenlos mit unüberlegt in Biertischmanier gefallenen Worten um. Die verfolgen den Redner und sein unmittelbares Umfeld im Zweifel bis in die Steinzeit.

 

So unbarmherzig wie es klingt, aber Sie müssen sich der Realität stellen, lieber Herr Dr.Scharf: Tun Sie sich selbst den Gefallen und entziehen sie dem Trommelfeuer nicht nur der Twitters und Facebooks die Diskussionsgrundlage, schützen Sie insbesondere Ihre Fraktion vor weiteren Spekulationen und Anwürfen, ersparen Sie uns im Rat eine weitere Vertiefung dieses höchst unerfreulichen Meinungsaustauschs. Erklären Sie aus freien Stücken selbst ihren Rücktritt als Bürgermeister.

 

Ihre jetzt erfolgte Entschuldigung ist sicher richtig und wichtig. Wenn sie spontan gekommen wäre, hätte sie vieles reparieren können. Jetzt ist aber einfach zuviel Zeit verflossen und die Dinge sind auf einen Höhepunkt zugelaufen, wo eine bloße Entschuldigung nicht mehr ausreichen kann. So ehrenhaft wie Standhaftigkeit sein kann, hier verkämpfen Sie sich an einer grundfalschen Stelle. Als Bürgermeister blicken Sie auf viele Jahre zurück, in denen Sie sich unbestritten Verdienste erworben haben. Die verblassen immer mehr, je länger Sie jetzt an dieser Stelle festhalten und endlose Fortsetzung der Kritik provozieren. Lassen Sie es also nicht zu einer förmlichen Abstimmung über Ihre Abwahl kommen. Erklären Sie Ihren Rücktritt selbst. Das sollten Sie sich nochmal durch den Kopf gehen lassen.

 

 

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