Rat spricht sich gegen IHK-Fusion aus

IHK Lüneburg-Wolfsburg und IHK Braunschweig: Big is not beautiful.

 Einstimmig, bei zwei Enthaltungen der Fraktion Die Linke, spricht sich der Rat gegen die Fusion der IHKen Lüneburg-Wolfsburg und Braunschweig aus und richtet damit einen eindeutigen Appell an die Vertreter der in der Nächsten Woche tagenden Vollversammlung,  die über die von den Präsidien befürwortete Fusion beschließen sollen.

FDP-Ratsfrau Birte Schellmann begründet ihre ablehnende Haltung:

 

Es ist schrecklich, man kann geradezu die Uhr danach stellen. Immer wenn es unternehmerische Aufgaben zu lösen gilt oder ein neues Topmanagement auftritt, das der Organisation seinen Stempel aufdrücken will, kommt fast schon unvermeidlich  das Gespenst Fusion auf den Tisch, weil angeblich nur so wertvolle Synergieeffekte gehoben und die Herausforderungen der modernen Welt gemeistert werden können. Dabei beweist ein genauerer Blick in die Realität eher das Gegenteil. Der deutsche Maschinenbau, eine entscheidende Stütze unserer Wirtschaft, hat im Durchschnitt weniger als 200 Mitarbeiter. Ganz zu schweigen von der Durchschnittsgröße der Mitgliedsunternehmen unserer IHK. Fusionsfetischisten können sich gar nicht vorstellen, dass so kleine Einheiten Höchstleistungen an Produktivität erbringen. Wenn die Fusionslogik immer stimmen würde, dann dürfte keines dieser Unternehmen richtig funktionieren. 

 

Gerade wir Lüneburger sollten das besser wissen. Hat nicht die Zentralisierung der Bezirksregierung in Hannover ganz klar zu drastischen Erschwernissen hier vor Ort geführt? Die Betreuung ist deutlich schlechter geworden und von den angeblichen Einsparungen ist unter dem Strich nichts zu sehen. Und umgekehrt: Steht unsere Sparkasse nunmehr katastrophal da, weil die angeblich so zwingend erforderliche Fusion mit der Sparkasse Harburg seinerzeit unterbunden werden konnte? Offensichtlich nicht! Jetzt droht uns das Gleiche bei der IHK. 

 

 

Wird Lüneburg zu einer bloßen Außenstelle degradiert, dann wird allen Beteuerungen zum Trotz zukünftig die Musik in Braunschweig und unmittelbarer Umgebung spielen. Man kennt sich vor Ort eben besser, profitiert in großem Maße von den informellen Informationsströmen, die sich aufgrund räumlicher Nähe automatisch bilden und hat in jeder Hinsicht kürzere Wege. Das sind insbesondere für die kleinen und mittleren Firmen im Großraum Lüneburg ganz entscheidende Kriterien. Für einzelne Großbetriebe wie VW spielt hingegen keine Rolle, wo die IHK sitzt.

Das Argument mit der Synergie ist doch nur ein Popanz. Soll die Fusion etwa dazu führen, dass die IHK-Gebühren auf die Hälfte gesenkt werden können? Natürlich nicht! 

 

 

Die IHK beschäftigt sich mit individuellen Problemstellungen, für die ihre Sachbearbeiter Lösungen erarbeiten müssen. Die Arbeit für den Sachbearbeiter wird nicht dadurch weniger, dass er zukünftig in Braunschweig sitzt. Wo also bleiben die angeblichen Synergieeffekte? 

 

Man sieht schon genau was kommen wird. Wie der neu eingerichtete Kommunalbeirat der Metropolregion Hamburg zeigt, ist die Orientierung nach Norden gerade für die Wirtschaft im Großraum Lüneburg von eminent hoher Bedeutung. Die gerät aber seitens der IHK tendenziell aus dem Blickfeld, wenn ihr Zentrum nach Braunschweig rückt. Dort ist sie gut damit beschäftigt, vor allem ihre eigene Region weiter prosperieren zu lassen, was ihr offensichtlich und erfreulicherweise auch sehr gut gelingt. Lüneburg rückt hingegen stark an den Rand. Und machen wir uns doch nichts vor: Eine bloße Außenstelle kann natürlich niemals die Durchschlagskraft erreichen, wie die Zentrale.

 

Natürlich ist und bleibt eine enge Kooperation zwischen den IHKs in Braunschweig und Lüneburg außerordentlich wichtig. Das gilt besonders für die Aufgabenstellungen an den Kammergrenzen. Das Problem, möglichst komfortable Lösungen auch für Firmen zu finden, die weit ab von der Zentrale liegen, wird man aber nie los. Im Gegenteil: Durch Fusionen werden die mittleren Entfernungen dramatisch vergrößert. Lüneburg rückt um weit über 100 km ganz an den Rand  Die Betreuungsqualität steigt nicht dadurch, dass man den Bezirk aufs Doppelte vergrößert. Big ist hier ganz gewiss nicht beautiful.

 

Was folgt daraus? Wir Lüneburger sollten alles daran setzen, dass dieses Vorhaben schnell zu Fall gebracht wird. Aber ich glaube daran und vertraue darauf, dass die Mitgliedsunternehmen unserer IHK das genauso sehen und dem Vorhaben eine schallende Abfuhr erteilen. 

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