Warum Deutschland ein Update braucht!

Christian Lindner LIVE in Lüneburg am Montag, den 29.08.16 um 14:45 Uhr im Hotel Seminaris, Soltauer Str. 3, 21335 Lüneburg

Die Förderung von Innovationen gilt als eine der entscheidenden und wichtigsten Zukunftsfragen. In Deutschland wird jedoch seit mehreren Jahren nur noch den Krisen hinterher regiert - die Frage der Sicherung unseres Wohlstandes gerät demgegenüber in die Defensive.

Christian Lindner, Bundesvorsitzender der Freien Demokraten und Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion NRW, skizziert fünf Ansatzpunkte zur Stärkung der Innovationkraft Deutschlands.

 

Wir freuen uns, Sie zu diesem Vortrag mit Diskussion begrüßen zu können. Um besser planen zu können, bitten wir um Ihre Anmeldung bis zum 25.08.16

 

1. Bildung hat oberste Priorität

Deutschland benötigt ein Bildungssystem, das didaktisch und inhaltlich auf Augenhöhe mit den Fragen der Zeit ist. Wir können uns auf die technologischen Neuerungen selbst nicht vorbereiten, denn wir können sie nicht voraussehen. Die meisten Schülerinnen und Schüler werden morgen in Jobs arbeiten, die es heute noch nicht gibt  Deshalb sollten wir in ihre Köpfe investieren, also in berufliche Qualifikation, interkulturelle Kompetenz und praktische Lebenstüchtigkeit. Während beispielsweise im angelsächsischen Raum längst mit digitalen, hochindividualisierten Lernmethoden gearbeitet wird, lernt man bei uns noch mit Kreide und Tafel. Das muss sich dringend ändern.

 

2. Breitband ist Grundvoraussetzung

Die sogenannte „zweite industrielle Revolution“ wird jeden Handwerksbetrieb und jedes kleine Unternehmen treffen und vor neue Herausforderungen stellen. Eine zeitgemäße Breitbandinternetversorgung, gerade auch im ländlichen Raum, ist die Voraussetzung dafür, dass diese Betriebe weiterhin Zugang zu neuen Märkten, neuen Produktions- und Kommunikationsmethoden haben. Damit das gelingt, müssen wir den Anteil der öffentlichen Investitionen erhöhen und intelligenter mit bestehenden Förderprogrammen umgehen. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht bis zum Ende dieses Jahrzehnts in der Infrastruktur und besonders der digitalen Infrastruktur von anderen Ländern abgehangen sein werden.

 

3. Freiheit für die Hochschulen

Wachstum und Innovation entstehen insbesondere im Umfeld von Hochschulen. Der Transfer von Wissen, raus aus den Hochschulen, rein in die Wirtschaft gelingt in Deutschland aber nicht so gut wie etwa in den Vereinigten Staaten, in Israel und den Niederlanden. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass die Organisation unserer Hochschulen kaum eigenverantwortliche Gestaltungsspielräume zulässt. Um Wachstum und Innovationskraft zu fördern, müssen wir unseren Forschern mehr Freiheiten und Anreize geben. Hochschulen und die Wirtschaft, Fachhochschulen und das Handwerk müssen zudem viel enger zusammengeführt werden, damit alle voneinander profitieren können und wissenschaftliche Initiative entsteht.

 

4. Mehr Kapitalmöglichkeiten, weniger Steuerbelastung

Um Innovationen voran zu treiben und Unternehmen zu gründen, braucht man natürlich auch Kapital. Neben den öffentlichen Fördergeldern gibt es auch viel privates Kapital, das wir dafür nutzen könnten. Beispielsweise könnten wir die Anlagebestimmungen bei unseren Lebensversicherungen und Versorgungswerken verändern, damit sie auch in mittelständische oder neu gegründete Unternehmen investieren könnten. Heute investiert beispielsweise der Pensionsfonds der Lehrer aus Tennessee in Berlin in die spannendsten Startups, während unsere Lebensversicherer auf Grund der deutschen Anlagebestimmungen in griechische Staatsanleihen investieren müssen.

Hinzu kommt, dass wir die bestehenden Unternehmen in ihrer Substanz nicht zusätzlich belasten sollten, beispielsweise durch die Erbschaftssteuer. Die Vermögen, die in Deutschland vererbt werden, sind größtenteils betriebliche Vermögen. Durch das Zugreifen auf dieses Vermögen, das längst schon mehrfach versteuert ist, entzieht der Staat den Unternehmen über mehrere Jahre die Möglichkeit, aus eigener wirtschaftlicher Substanz in Zukunftstechnologien zu investieren. Hier sägt die Politik den Ast an, auf dem wir alle sitzen. Vielmehr sollte der Fiskus seinen Blick auf die großen, multinationalen Unternehmen richten, die auf den deutschen Märkten aktiv sind, unsere Infrastruktur nutzen, hier Milliardengewinne erzielen und nicht einen einzigen Eurocent beitragen zur Finanzierung unseres Gemeinwesens. Das wäre auch ein Beitrag zu fairem Wettbewerb.

 

5. Kultur der Chancen

Nicht zuletzt braucht Deutschland eine Mentalitätsreform. Wir müssen uns als Gesellschaft überlegen, ob wir damit zufrieden sind, in einer Lethargokratie zu leben. Viele Gründer beklagen in Deutschland die unzähligen Bürokratiehürden. Wenn Sie in den USA gründen wollen, gehen Sie in eine Garage. Wenn Sie in Deutschland gründen wollen, müssen Sie auf’s Amt. Hätte Steve Jobs Apple nicht in Palo Alto sondern in Castrop-Rauxel gegründet, er wäre bereits an der Baunutzungsordnung der Garage gescheitert. Ich will nicht in einem Land leben, das mehr Bedenken als Garagen hat. Mehr Zutrauen in unsere Innovationskraft, mehr Risikobereitschaft und mehr Toleranz gegenüber Menschen, die einmal gescheitert sind – das brauchen wir. Auf diese Weise hat unser Land auch die Chance, aus dem technologischen Wandel als Gewinner hervorzugehen.

(freiheit.org)

 

Download
Einladung mit Antwort.pdf
Adobe Acrobat Dokument 644.2 KB

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Frank Soldan (Freitag, 19 August 2016 18:11)

    Christian Lindner "Wutrede" zum Umgang mit Gründern.