Meinungsfreiheit gegen Political Correctness

Frühjahrs-Empfang mit Prof. Ingo von Münch

Mit mehr als 100 Gästen war der FDP-Frühjahrsempfang sehr gut besucht. Der Kreisvorsitzende Dr. E. A. Schmidt-Jortzig begrüßte alle Anwesenden, darunter Bürgermeister E. Kolle, Landrat M. Nahrstedt, MdB E. Pols sowie weitere Vertreter aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft.

Er wies in seiner Rede auf die Bedeutung des Engagements jedes Einzelnen in unserer Zivilgesellschaft hin und macht deutlich, dass gerade die Freien Demokraten hier vor Ort und im Land und Bund gute Möglichkeiten für politisches Engagement bieten.

Nicht nur diese gut besuchte Veranstaltung, sondern auch die Tatsache, dass in der letzten Woche die Lüneburger Liberalen drei Neumitglieder gewinnen konnten, macht die Aufbruchstimmung deutlich.

Schmidt-Jortzig dankte dem bisherigen Kreisvorsitzenden Dr. T. Debuch, den sein beruflicher Werdegang nach Salzburg geführt hat, für sein Wirken und seine Arbeit. Dann kündigte er mit sehr persönlichen Worten den Gastredner Prof. Dr. Ingo von Münch an, dessen wissenschaftlichen und politischen Lebensweg er zusammenfasste.

Prof. von Münch begann seine Ausführungen zur Political Correctness (PC) mit Fragen zur Asyl- und Flüchtlingsdebatte, die er aber nicht beantwortete. Sie zeigten aber deutlich die Problematik: Was darf man fragen? Wie wird man dann wahrgenommen?

Prof. von Münch (Jahrgang 1932) erlebte die NS-Zeit sehr bewußt mit. "Was gab es nicht alles an Instrumenten der Unterdrückung und Bestrafung freier Meinungsäußerungen: "Reichsschrifttumskammern"; "Sprachregelungen"; "entartete Kunst"; Bestrafung wegen "Wehrkraftzersetzung"; schließlich auch der "deutsche Blick" - der Sprechende schaute sich um, ob jemand, der nicht mithören sollte, anwesend war: Schon das Weitererzählen eines Flüsterwitzes konnte zu tödlicher Gefahr werden.

Die Erfahrung aus dieser Zeit konnte nur sein: Nie wieder in einem Land und in einer Zeit lbeben, in der Meinungsäußerungen, gleichgültig, ob sie richtig oder falsch sind, unterdrückt oder auch nur gegängelt werden, von wem auch immer."

Grundlage seiner Ausführungen war die Definition der Political Correctness des DUDEN: Sie ist die "von einer bestimmten Öffentlichkeit als richtig angesehene Gesinnung."

Dann ging er auf andere Beispiele ein:
Leitkultur - von C. Roth (Grüne) als "Begriffsunglück" bezeichnet, von Bundeskanzlerin Merkel als "nicht ihr Sprachgebrauch" tituliert aber ohne das Wort zu gebrauchen, in der diesjährigen Neujahrsansprache sehr deutlich umschrieben, von S. Gabriel (SPD) mutig deutlich benannt.

Er beleuchtete PC im Zusammenhang mit "Religion", den Anschlägen auf "Charlie Hebdo" und fragte, ob Satire wirklich alles darf? War die Verhüllung antiker nackter Statuen durch die italienische Staatsregierung anlässlich des Besuchs des iranischen Staatspräsidenten Rohani in Rom ein Akt der PC oder - wohlmeinend ausgedrückt - eine Geste der Höflichkeit und Gastfreundschaft? Oder die Tatsache, dass aus Rücksicht auf Musliminnen in der Volkshochschule Berlin-Marzahn schon im Jahr 2013 mehrere weibliche Akte vesteckt wurden? Der Korrespondent der NZZ schrieb dazu: "Kunst wandert in den Keller, damit Neuankömmlinge unangefochten Deutsch lernen können." "Interkulturelle Sensibilität" nannte man das in Marztahn.

Er bgeschrieb das katastrophale Verhalten der Medien - besonders der öffentlich-rechtlichen Medien (die seiner Meinung nach über eine verfassungswidrige Haushaltsabgabe finanziert werden) - nach den Ereignissen in der Silvesternacht und die Verharmlosung der Straftaten durch politische Meinungsträger.

Deutlich beklagte er den durch diese Verhalten der Medien entstandenen Vertrauensverlust der Menschen in die Berichterstattung.

Aber nicht nur Deutschland krankt an den Auswirkungen der PC: Die bekannt gewordenen Verbrechen in der nordenglischen Stadt Rotherham (1400 minderjährige Opfer von Vergewaltigungen, begangen von Tätern, die mehrheitlich Immigranten pakistanischer Herkunft sind) veranlassten den britischen Premierminister D. Cameron zu dem Vorwurf: "Kinder wurden ignoriert, manchmal selbst beschuldigt und Vorfälle unter den Tisch gekehrt - häufig aufgrund einer verzerrten und fehlgeleiteten Political Correctness.".

Gegen Ende seines Vortrages ging er auf die Richtlinie 12.1 des Pressekodex, die vorschreibt: "In der Berichterstattung über Strafttaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründeter Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte." ein. Damit macht sich die Presse zum willfähigen Werkzeug der PC.

Folge dieser Richtlinie: Täter haben keine Herkunft, Sexualdelikte werden als Körperverletzung gemeldet, Sinti und Roma werden zu Menschen mit häufig wechselndem Wohnsitz, kriminelle libanesische Clans zu Großfamilien und der Ehrenmord ist halt ein Mord wie jeder andere.

Aufgrund der Feststellung "Wer die Sprache beherrscht, beherrst die Menschen" brachte Prof. v. Münch neuere Beispiele für Sprach- und Wortänderungen: "Gutmensch" ist zum Unwort erklärt worden. Was ist mit "Pack, Mob, geistige Brandstifter"? Unerwünscht sind "Flüchtlingsströme" und "Flüchtlingsfluten".

Der Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Donsbach stellte kürzlich fest: "Wir haben in Deutschland eine Kultur einer verschärften Political Correctness, die es ungeheuer schwierig macht, Themen, die nicht dem Mainstream entsprechen, ergebnisoffen und ohne gleich die Keule einer illegitimen und unmoralischen Haltung zu diskutieren."

 

Was kann der Einzelne tun? Prof. v. Münchs Rat: "Mut beweisen, Toleranz üben, und sich bewusst sein, wie wichtigMeinungsfreiheit im Besonderen und Freiheit im Allgemeinen für jeden Einzelnen und für die Gemeinschaft Aller ist."

 

Nachdem Prof. v. Münch noch Fragen aus dem Publikum beantwortete, lud die FDP Lüneburg die Gäste zu einem Imbiß ein. Die Diskussionen zu dem Thema PC zogen sich im kleinen Kreis bis in den Nachmitag hinein.

 

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